#lila_bunt

Feministische Bildung, Praxis und Utopie

Seminar

Zwischen „Babyblues“ und lila Latzhose – Feministisch Kinder begleiten

Als Feminist*innen wissen wir viel über Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts, einengende Geschlechterrollen, „rosa-hellblau-Zwänge“ und die Notwendigkeit, das System der Zweigeschlechtlichkeit aufzulösen. Wir haben gute Ideen wie diese Welt eine bessere sein könnte, wenn doch endlich das Patriarchat abgeschafft wäre. Und wenn wir das noch nicht vollständig geschafft haben, dann machen es ja vielleicht nächste Generationen; unsere Kinder… „Unsere Kinder“…? Und hier beginnt die Frage nach der praktischen Umsetzung feministischer Theorie im eigenen Leben.

Und was bedeutet das dann für uns? Plötzlich – ob wir wollen oder nicht – werden wir als Mutter* adressiert. Der Begriff konstruiert wie kaum ein anderer eine extrem wirkmächtige soziale Idee. Er bündelt Aspekte von Geschlecht, Sexualität, Rollenerwartungen und gesellschaftlichen Statuszuweisungen, die direkter als je zuvor an uns gerichtet werden und emotional aufgeladen sind.

Und dann sind sie plötzlich da, „unsere Kinder“. Mit all ihren Bedürfnissen, eigenen Ideen und Vorstellungen; schreien als Säuglinge stundenlang und beruhigen sich nur durch zärtliches Singen, wollen den ganzen Tag nur mit Autos und Baggern spielen, entscheiden sich für die orange statt die pinke Trinkflasche... Und wir fragen uns: „Wie kann ich dir die Entwicklung ermöglichen, die dir selbst am besten entspricht? Was lebe ich dir eigentlich vor? Wie gestalten wir unser Überleben im kapitalistisch geprägten Patriarchatsalltag?“

Und dann sind da noch die Freund*innen aus dem Kindergarten, die doofe Sprüche über die Unisex-Klamotten machen; die Großeltern, die das Kind immer nur als „kleiner Mann“ ansprechen; die anderen Eltern auf dem Spielplatz, die verwundert fragen ob das Kind tatsächlich als Junge einen rosa Schneeanzug trägt...

Und dann sind da noch die kinderlosen feministischen Freund*innen: Sie feiern alles Nicht-stereotype, schweigen höflich zu allem anderen, haben aber immer noch ein paar gute Ideen, wie Kinder am besten zu erziehen seien und wie wir uns so schnell wie möglich mal wieder ohne Kinder mit ihnen treffen können.

Und die Erfahrung zeigt: Der Alltag unter ständigem Handlungsdruck hält mehr offene Fragen bereit, als wir gedacht hatten...

In diesem Workshop wollen wir uns wertschätzend und solidarisch zu feministischen Fragen im Alltag mit Kindern austauschen. Z.B.: Was ist/sind meine Rolle(n)? Wie halte ich es mit Erziehung? Welche Perspektiven auf „Mutter*schaft“ gilt es dringend zu dekonstruieren? Welche feministischen Formen des Zusammenlebens brauchen wir.....?

Wir möchten uns gegenseitig (be)stärken und entlasten, gemeinsam Neues lernen und eigene Begriffe und Formen von Beziehungen zum Kind/zu den Kindern, mit denen wir leben, entwickeln, die sich nicht mehr an HERRschenden Rollenbildern für "Mütter*" abarbeiten.

In diesem Zusammenhang sollen keine Expert*innenlösungen verkündet werden. Vielmehr liegt der Schwerpunkt auf Diskussion und Austausch: Im Plenum, in  Kleingruppen und mit sich selbst. Das Programm beinhaltet thematische Inputs und methodische Impulse, um uns den verschiedenen Inhalten möglichst vielfältig und kreativ annähern zu können. Dabei lässt die Planung Raum für die Themen der Teilnehmenden. Dazu bringen wir unsere Erfahrungen und Perspektiven als cis-weibliche Mütter* von Kindern im Kleinkind- und Vorschulalter ein und vielleicht das eine oder andere Kind mit.

Das Seminar findet bei lila_bunt in Zülpich statt.

Zielgruppe:
FLINT*-Personen, die für Kinder Hauptbezugspersonen sind und ihre Erfahrungen mit feministischen Perspektiven auf den Alltag mit Kindern und dem Konstrukt von Mutter*schaft teilen und sich mit möglichen Alternativen auseinandersetzen wollen. Bei diesem Seminar sind FLINT*-Personen willkommen. FLINT* steht als Abkürzung für: Frauen, Lesben, Inter*, Non-Binäre (non-binär nennen sich u.a. Menschen, die sich nicht den binär konstruierten Geschlechtern von männlich und weiblich zuordnen können/wollen) Personen und Trans*menschen.

Kinderbetreuung:
Für die Seminarzeiten tagsüber ist eine Kinderbetreuung eingeplant. Kinder zwischen 1,5 und 12 Jahre können gerne daran teilnehmen. Kinder, die jünger als 1,5 sind, sind auch willkommen, lasst uns gemeinsam schauen, wie sie gut in der Gruppe bei den Bezugspersonen, oder auch zeitweise bei der Betreuung sein können.

Teilnehmer*innenanzahl: 8-18 Personen plus Kinder

Pro Seminar gibt es ab 8 Teilnehmenden ein begrenztes Kontingent an Soliplätzen mit Zahlung nach Selbsteinschätzung. Schreibt uns dazu gerne an.

Zeitraum: 28. - 31. Oktober 2021
Anreise: Donnerstag, 28.10.2021 ab 16:00 Uhr
Abreise: Sonntag, 31.10.2021 nach dem Mittagessen, ca. 14 Uhr

Referent*innen: Rudi Emminger (sie) & Antje Schürmann (sie)

Antje Schürmann (MA Social Work) arbeitet als Lehrkraft für besondere Aufgaben mit dem Schwerpunkt Jugendhilfe an der Hochschule Hannover. Aktuell ist sie nach der Geburt ihres zweiten Kindes in Elternzeit.

Rudi Emminger ist Dipl. Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin und arbeitet als u.a. Bildungsarbeiterin und Moderatorin. Rudi hat ein Kind.

Kosten: 450,00 € (Übernachtung sowie vegetarisch/vegane Vollverpflegung) im Doppelzimmer (Einzelzimmer-Zuschlag: 10 Euro / begrenztes Kontingent). Kinder zahlen einen Prozentsatz je nach Alter.

Wir sind dabei, Förderungen zu beantragen, eine Gesamtgebühr von 100,00 € pro Teilnehmende und 0 € pro Kind wird angestrebt. Doch soweit noch keine feste Zusage für Fördergelder vorliegt, gehen wir von der oben angegebenen Summe aus.

Zur Anmeldung lasst uns bitte das ausgefüllte Anmeldeformular per Post oder Email zukommen.